Montevideo
Südamerika

Montevideo: die kleine, hippe Schwester von Buenos Aires

Nur einen Katzensprung über den Rio de la Plata wartet die entspanntere, aber dennoch außerordentlich interessante uruguayische Hauptstadt, Montevideo. Man könnte sie jetzt mit Buenos Aires vergleichen – muss man aber nicht. Denn Montevideo hat unsere Aufmerksamkeit ganz alleine verdient!

Mit fast 1,4 Millionen Einwohnern ist sie eine der kleineren Städte in Südamerika, zählt dafür aber gleichzeitig auch zu den zehn sichersten in Lateinamerika. Der internationale Flughafen Carrasco (Aeropuerto Internacional de Carrasco) sowie der städtische Fährterminal von Buquebus (Fährverbindung von Buenos Aires) machen sie international, als auch regional gut erreichbar.

Fähre nach Montevideo
Die Fähre zwischen Buenos Aires und Montevideo

Um den Namen der Stadt ranken sich mehrere Legenden, so soll einer der ersten Entdecker auf Portugiesisch gerufen haben „Ich sehe einen Berg!“ („Monte vide eu!”), aus dem sich dann Montevideo entwickelt haben soll. Dabei bezog er sich auf den Cerro de Montevideo, den 132 Meter hohen Hausberg der Stadt. Seit der Stadtgründung im Jahre 1726 bekriegten sich die Portugiesen und Spanier immer wieder um die Vorherrschaft. Heute ist Montevideo, wie ganz Uruguay, spanischsprachig und stellt mit seiner gelassenen Atmosphäre, den historischen Sehenswürdigkeiten, grünen Parks und herrlichen Sandstränden eine charakterstarke, trendige Alternative zu den bekannteren Klassikern dar.

Für einen besseren Überblick habe ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt in drei Areale aufgeteilt: die Altstadt, das Zentrum und Sehenswertes außerhalb des Zentrums. Die historische Altstadt und das Zentrum lassen sich gut zu Fuß erkunden. Möchtest du mehr von der Stadt sehen und suchst eine Möglichkeit für Transport und Information in Einem, dann empfehle ich dir den Hop-on, hop-off Bus (Bus turístico Montevideo). Dieser fährt auf Route 1 (Central Tour) 12 Stopps innerhalb des Stadtzentrums und einiger Vororte ab. Die Route 2 (Rambla Tour) fährt entlang der Küste, wo sich unter anderem die Einkaufszentren und der Montevideo-Schriftzug befinden, bis nach Carrasco und wieder retour. Informationen zu den einzelnen Stopps gibt es mittels der inkludierten Kopfhörer in 6 Sprachen, darunter auch Deutsch. Das normale 24 Stunden Ticket kostet ohne Vergünstigung 25 USD pro Person (ich habe es online gekauft). Ich bin beide Routen mit diversen Zwischenstopps abgefahren und kann es unbedingt empfehlen!

Wer den Hop-on, hop-off Bus nicht nehmen möchte oder außerhalb von dessen Route unterwegs ist, kommt ganz leicht mit den öffentlichen Bussen überall hin. Diese werden mit kleinem Bargeld beim Fahrer oder der STM-Karte (STM bietet auch eine App „como ir“ für die Routenplanung an) bezahlt. Man muss dem Bus ein Signal geben, dass man mitfahren möchte und beim Aussteigen den Knopf drücken oder an einem Seil ziehen. Es war aber alles ganz easy.

Auf den Spuren der Kolonialzeit: Vom Platz der Unabhängigkeit in die Altstadt Montevideos

Das Herz Montevideos und gleichzeitig die Verbindung zwischen Altstadt (Ciudad Vieja) und Zentrum (Centro) bildet die Plaza Independencia. An diesem Platz befindet sich der letzte erhaltene Teil des alten Forts, die Puerta de la Ciudadela aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Zentrales Element ist die 17 Meter hohe Reiterstatue des Nationalhelden José Gervasio Artigas, einem Verfechter der uruguayischen Unabhängigkeit. Unter der Statue befindet sich sein bewachtes Mausoleum, das du auch besuchen kannst. Zum Zeitpunkt meines Besuches war gerade die Angelobung des neuen Präsidenten und der Platz daher großräumig gesperrt. Auf der Südseite des Platzes befindet sich nämlich auch der Präsidentensitz in unmittelbarer Nähe zum Palacio Salvo. Am südwestlichen Ende lockt ein weiteres Schmuckstück der Stadt, das neo-klassizistische, 1856 eröffnete Teatro Solís. Dort finden regelmäßig Veranstaltungen und Führungen statt.

Folgst du der Fußgängerzone durch die Sarandí, kommst du an der historischen Plaza Constitution vorbei. Der Name stammt daher, dass hier bei der Verabschiedung der ersten Verfassung zur Unabhängigkeit Uruguays der Verfassungsschwur geleistet wurde. Der wunderbar schattige Platz mit kunstvollem Brunnen ist 300 Jahre alt (konstruiert 1726) und war ursprünglich als innerstädtische Fläche für Märkte, Feste und Militärversammlungen gedacht. Heute laden zahlreiche Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein. Immer wieder findet hier auch ein kleiner Antiquitätenmarkt statt (meist samstags). Am Westende des Platzes grenzt die Catedral Metropolitana de Montevideo an, die du kostenlos besuchen kannst. Sie wurde 1804 im neo-klassizistischen Stil eröffnet und ist die wichtigste römisch-katholische Kirche des Landes.

Am nördlichen Ende der Plaza de la Constitucíon verläuft die Rincón parallel zur Fußgängerzone. Dort befindet sich auch das bekannte Museo Andes 1972, das eine Ausstellung zur unglaublichen Geschichte des Andenunglücks 1972 beherbergt. Damals stürzte der Flug 571 mit dem uruguayischen Rugby-Team mit dessen Familien und Freunden in den Anden ab. Alle 45 Passagiere inklusive Crew wurden für tot gehalten, bis einige der Überlebenden nach 72 Tagen plötzlich in einem chilenischen Dorf auftauchten. Insgesamt wurden 16 Überlebende gefunden. Noch heute ist das tragische Ereignis als „Wunder der Anden“ bekannt und wurde mehrfach verfilmt.

In der Altstadt befinden sich noch viele weitere, sehr interessante Museen, welche ich leider bei diesem Aufenthalt noch nicht besuchen konnte. Meine Top-Auswahl für das nächste Mal sind:

  • Museo Gurvich: Kleines, aber feines Museum mit Werken des Künstlers José Gurvich
  • MAPI Museo de Arte Precolombino e Indígena: Museum für präkolumbianische und indigene Kunst Lateinamerikas
  • Museo Histórico Nacional Casa Rivera: Nationalmuseum mit vielen Exponaten und Informationen zur Geschichte Uruguays
  • Museo del Carnaval: eine Ausstellung zum längsten Karneval der Welt mit Kostümen, Wägen und Figuren
  • Museo del Gaucho y la Moneda: Museum, das die Geschichte und das Leben der Gauchos beschreibt mit einer zweiten Ausstellung rund um das Thema Geld

Ein unbedingtes Must-See ist der Mercado del Puerto (Hafenmarkt). Wenn auch mittlerweile ziemlich touristisch und daher preislich etwas höher, so findet man doch noch viele Einheimische an den Asado-Theken. Der Duft des köstlichen Grills empfängt einen schon nach wenigen Metern. Neben zahlreichen Essensständen gibt es auch genügen Souvenirs einzukaufen. Der historische (heute weitestgehend modernisierte) Markt geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Früher spielte er eine wichtige Rolle als größter Markt des Landes, direkt neben dem Hafen. Dies machte ihn zu einem wichtigen Umschlagplatz zwischen Land und Wasser. Heute dient er mehr touristischen und gastronomischen Zwecken.

Sehenswürdigkeiten im Zentrum Montevideos

Neben der Altstadt (Ciudad Vieja) gibt es auch das Zentrum (Centro), welches sich auf der Karte leicht als das Quadrat zwischen dem Platz der Unabhängigkeit (Plaza Indepedencia) und zirka dem Platz mit dem Gaucho Monument (Plazoleta Lorenzo Justiniano Pérez, wo die Constituyente von der Avenida 18 de Julio abzweigt) sowie der Straße La Paz im Norden und dem Barrio Sur im Süden erkennen lässt.

Brunnen mit Schlössern

Hier befinden sich nicht nur der Kilometer Null am Plaza de Cagancha (auch bekannt als Plaza Libertad), der dort durch die Säule der Freiheit markiert wird sowie der viel fotografierte Brunnen mit den Schlössern der Liebenden (Fuente de los Candados), sondern auch der wahrscheinlich beste Aussichtspunkt für einen Rundumblick über die Stadt am Dach des Regierungsgebäudes (Intendencia de Montevideo). Der Zutritt erfolgt komplett kostenlos nach einer Online-Registrierung mittels QR Code über den Südeingang des Gebäudes. Vor Ort gibt es eine Sicherheitskontrolle, danach folgt man der Beschilderung „Mirador“ und fährt mit dem Panoramalift nach oben. Oben angekommen gibt es ein Café und eine Rundum-Terrasse mit Fernrohren, Sitzbänken, Begrünung sowie interessanten Informationstafeln zur Stadtentwicklung. Man kann dort soviel Zeit verbringen wie man will, es gibt auch eine Toilette. Meiner Ansicht nach ist der Besuch der Plattform ein absolutes Muss!

Am anderen Ende des Zentrums in Richtung Plaza Independencia wartet ein weiteres Highlight und eines der höchsten Bauwerke des Landes, der Palacio Salvo. Das Gegenstück zu dem in Buenos Aires befindlichen Palacio Barolo sieht diesem zum Verwechseln ähnlich, verfügt jedoch nicht (mehr) über das Leuchtsignal in der Turmspitze, ist dafür aber ein kleines Stück höher als sein Zwilling. Von seiner Fertigstellung 1928 bis 1935 war der Palacio Salvo das höchste Bauwerk in Südamerika. Das prunkvolle Gebäude im Art Déco Stil weckt Erinnerungen an das „goldene“ Zeitalter Montevideos zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wie auch der Palacio Barolo wurde der Palacio Salvo nach seinen Auftraggebern, den Brüdern José und Lorenzo Salvo benannt und vom selben Architekten erbaut. Ursprünglich als Luxushotel konzipiert, beherbergt es heute hauptsächlich Wohnungen und Büros (auf AirBnB gibt es Zimmer im Palacio Salvo zu buchen!). Das Gebäude verfügt weiters über eine Aussichtsplattform mit Blick über die Innenstadt und der Plaza Indepedencia.

Sehenswürdigkeiten außerhalb des Zentrums

In den Straßenzügen des Stadtteils Cordón, zirka zwischen der Avenida 18 de Julio bis zur La Paz, findet der sonntägliche Floh- und Antiquitätenmarkt Feria de Tristán Narvaja statt. Der Markt bietet eine weite Bandbreite an Büchern, Antiquitäten, Kleidung, Möbeln, Geschirr, Haustierbedarf, aber auch Street Food und frische Lebensmittel. Wenn du an einem Sonntag bis zum frühen Nachmittag in Montevideo bist, solltest du unbedingt vorbeischauen! Der Markt ist sehr umfangreich und gut besucht, daher empfehle ich im Gedränge besonders auf deine Wertsachen zu achten.

In der Nähe des Bahnhofes (Estación Central) befindet sich der Palacio Legislativo, das Parlament. Das imposante Gebäude im neoklassizistischen Stil wurde 1925 fertig gestellt. Der Eintritt für eine geführte Tour auf Englisch oder Spanisch kostet 140 Pesos und kann nur vor Ort in bar beglichen werden. Das Gebäude beherbergt auch eine sehenswerte Bibliothek. Der Hop-on, hop-off Bus fährt auf seinem Weg quasi ein Mal rund um das Gebäude, sodass man vom Oberdeck aus gute Bilder machen kann. Es gibt auch direkt eine Haltestelle für alle, die den Palacio von innen sehen wollen.

Ein Stück die Straße runter (oder nur einen Stopp weiter) befindet sich der Mercado Agrícola. Ursprünglich als Grünmarkt geplant und 1913 eröffnet, findet man heutzutage alle möglichen Produkte zum Kauf angeboten, von regionalen Erzeugnissen (Früchte, Obst, Fleisch, Nüsse, Gewürze etc.) über Geschenkartikel/Souvenirs und Fachgeschäften (Leder, Taschen, Haushaltsgeräte, Drogeriewaren…) bis hin zu Imbissständen. Die Markthalle ist täglich von 9:00 bis 22:00 geöffnet, mit unterschiedlichen Öffnungszeiten der Gastronomie und der Läden.

Weiter nördlich befindet sich das gehobene Wohnviertel Prado – Nueva Savona mit dem bekannten Prado Park. Auf dem Weg dorthin sieht man zum Beispiel vom Hop-on, hop-off Bus aus bereits viele schöne Villen und Kirchen in historischem Stil, wie die neo-gotische Kirche Las Carmelitas, ein beliebtes Fotomotiv. Im Prado Park befinden sich zahlreiche Statuen, Brunnen, ein Rosengarten, ein botanischer Garten, ein Kanal und ein Teich mit Booten, mehrere Sportplätze und Stadien, ein Skatepark, Spielplätze und kleiner Vergnügungspark für Kinder. Unweit des Parks zeigt das Museo Juan Manuel Blanes kostenlos sehenswerte uruguayische Kunst in einer Villa aus dem 19. Jahrhundert.

Östlich des Zentrums befindet sich ein weiterer beliebter Park, der Parque José Enrique Rodó. Gut gepflegte Spazierwege, ein künstlicher Teich mit Booten, zahlreiche Statuen und Sitzbänke machen diesen Park zu einem beliebten Freizeittreffpunkt. Familien zieht auch der unmittelbar angrenzende Vergnügungspark mit Fahrgeschäften an. Der Park grenzt an die Playa Ramírez und damit direkt ans Wasser. Von dort startet auch die zweite Linie des Hop-on, hop-off Busses entlang der Rambla. Die Route führt unter anderem vorbei am Punta Carretas Shopping Center sowie dem Playa de los Pocitos mit dem Montevideo Schriftzug.

Die Fahrt führt weiter, immer am Wasser entlang. Hier befinden sich zahlreiche Hotels und Restaurants. Linkerhand sieht man neben der Straße den Buceo Friedhof auf einer Anhöhe, bevor der Bus in Carrasco am Sofitel Hotel Casino wendet. Wer Lust hat, spaziert ein wenig entlang der Promenade oder ins Landesinnere vorbei an den Villen, Buchhandlungen und Cafés des gehobenen Wohnviertels, bevor der nächste Bus wieder zurück ins Zentrum fährt.

Montevideo, lohnt es sich?

Meiner Meinung nach auf jeden Fall! Ob Montevideo als Teil deiner eigenen Uruguay-Reise oder nur als Abstecher von Buenos Aires aus, die Stadt ist es definitiv wert. Wenn du nur wenig Zeit hast oder vielleicht nur einen Tagesausflug machen kannst, empfehle ich die (teurere) Schnellfähre von Buquebus – nur diese fährt von Buenos Aires aus direkt nach Montevideo (Colonia Express fährt nur nach Colonia del Sacramento und von dort mit dem Bus nach Montevideo zum Hauptbusbahnhof Tres Cruces). Am besten bringst du aber 3-4 Tage für diese unglaubliche Stadt mit.

Einen super Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt und die Geschichte Montevideos bzw. Uruguays liefert eine Free-Walking-Tour, zum Beispiel von Guruwalk oder Freetour (unbezahlte Werbung). Bei diesem Konzept bezahlst du nach Ende der Tour so viel, wie es dir wert war. Ich habe eine 2,5-stündige Tour über Freetour gemacht, die bei der Plaza Independencia begonnen hat und am Hafenmarkt endete. Der Guide hat uns auch die versteckten Ecken der Altstadt gezeigt und viel über das lokale Leben erzählt.

Wo übernachten?

Ich habe auch in Montevideo im Viajero Hostel übernachtet (unbezahlte Werbung). Die Lage zwischen Plaza Independencia und Altstadt war hervorragend, außerdem befindet sich ein Supermarkt gleich ums Eck. Von der Dachterrasse aus siehst du den Palacio Salvo. Es gibt eine Gemeinschaftsküche und einen Aufenthaltsraum.

Wo essen?

Ich muss gestehen, ich habe hauptsächlich selbst gekocht oder etwas mitgenommen, um Geld zu sparen. Es gibt aber einige wirklich leckere Eisläden in der Stadt, wie La Nueva Roma Centro. Es bietet sich auch an im Hafenmarkt an den Asado-Ständen oder im Mercado Agrícola etwas zu essen.

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