Roadtrip Balkan: Routenvorschläge, Reisetipps und meine Highlights aus sieben Ländern
Orient meets Okzident – so oder so ähnlich wird der Balkan gern beschrieben. Seine Geschichte ist an vielen Ecken spürbar: Jahrhunderte der osmanischen Herrschaft haben ihre Spuren hinterlassen, ebenso wie die jüngere Geschichte unter kommunistischer Führung und zu viele Kriege. Verschiedene Kulturen, Sprachen und Glaubensrichtungen versprechen diesen Roadtrip auf den Balkan zu einem Abenteuer werden zu lassen, das seinesgleichen sucht. Dazu kommt eine unglaubliche Vielfalt an architektonischen Bauten, atemberaubende Landschaften und natürlich die Küche, die in jeder Region etwas anders schmeckt.
Weil ich das alles gerne erleben wollte, beschloss ich wenige Monate nach dem Kauf meines Motorrades (Honda CB 500XA) auf eigene Faust loszuziehen. Sechs Wochen sollten es werden, schlussendlich wurden es dank Lebensmittelvergiftung und Wetterumschwung „nur“ vier. Bist du bereit für ein Abenteuer? Let’s go!
In diesem Beitrag findest du:
- Routenvorschläge für deinen Balkan Roadtrip mit eigenem Fahrzeug (egal ob Minivan, PKW, Motorrad, nur motorisiert und nicht zu groß für die kleinen Bergstraßen sollte es sein)
- Nützliche Tipps zur Reise zu Themen wie Essen, Verkehr, Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten, kulturelle Gepflogenheiten, Geld, Grenzübertritte und mehr
- Eine Zusammenfassung meiner Top-Highlights aus 4 Wochen Balkan Roadtrip und was für das nächste Mal bereits auf meiner Liste steht


Als Frau alleine mit dem Motorrad auf den Balkan
„Brauchst du Hilfe?“ – das war wohl der häufigste Satz, den ich nach „Was, du bist alleine?“ und „Du bist aber mutig!“ auf meiner vierwöchigen Balkanreise gehört habe. Als ich in meiner ersten Saison als Motorrad-Neuling beschloss, alleine einen Balkan-Roadtrip zu machen, begegneten mir primär Erstaunen und Bewunderung der lokalen Bevölkerung. Jeder wollte mir helfen, alle waren respektvoll, hilfsbereit und zuvorkommend. Nicht selten staunten die Leute, als sie bemerkten, dass da eine Frau auf dem vollbepackten Motorrad saß und das ganz alleine, ohne männliche Begleitung. Ich habe mich immer gut aufgehoben und in keinem einzigen Land alleine als Frau unsicher gefühlt!

Zwei Seitenkoffer, ein Topcase und ein 40 Liter Drybag enthielten alles für mich und mein Motorrad, was ich meinte, für vier Wochen am Balkan zu brauchen. Mit dabei waren auch mein Tom Tom Navi, meine GoPro 9 und meine DJI Mini Drohne.
Der ursprüngliche Plan war eigentlich sechs Wochen, aber nach einer Lebensmittelvergiftung in Tirana und einem Wetterumschwung verschob ich die Erkundung des Peloponnes auf ein anderes Mal und kehrte frühzeitig in Richtung Österreich zurück. Ich hatte zuvor nur ein paar einzelne Punkte geplant, die ich unbedingt sehen wollte. Alles andere, auch die genaue Route, habe ich nach Lust und Laune sowie dem Wetter und anderen Gegebenheiten vor Ort angepasst. Viel vor Ort zu sehen und zu erleben war mir wichtiger, als viele Kilometer auf dem Motorrad zurück zu legen, daher werde ich hier auch keine Wegstrecken und Fahrzeiten wiedergeben. Finde dein eigenes Tempo! Außerdem gab es Rasttage, wo ich einfach nur an den Strand ging oder mich erholte. Meine Route war dann schlussendlich die folgende:

Linz – Wien – Split (Nachtzug) – Grenzübergang Gornji Vinjani (CRO/BIH) – Mostar – Sarajevo – Abstecher Visoko (bosnische Pyramiden) – Grenzübergang Šćepan Polje (BIH/MNE) – Piva Canyon/Plužine – Durmitor Nationalpark – Tara Brücke – Biogradska Gora Nationalpark – Kloster Morača – Podgorica – Grenzübergang Pika Kufitare Muriqan (MNE/ALB) – Shkodra – Tirana – Grenzübergang Kjafasan (ALB/NMK) – Ohrid – Grenzübergang Niki (NMK/GRC) – Kozani – Kalambaka (Meteora Klöster) – Ioannina – Grenzübergang Kakavi (GRC/ALB) – Gjirokastra – Durrës – Grenzübergang Pika Kufitare Muriqan (ALB/MNE) – Bar – Budva – Kotor – Grenzübergang Debeli Brijeg bzw. Karasovići (MNE/CRO) – Dubrovnik – Grenzübergänge bei Neum (CRO/BIH, BIH/CRO) – Makarska – Split – Zadar – Plitvička Jezera (Plitvica Seen) – Grenzübergang Macelj (CRO/SVN) – Maribor – Graz – Linz
Anmerkung:
Zur leichteren Lesbarkeit habe ich den Reisebericht zu meinem Balkan Roadtrip nach Ländern unterteilt. In den meisten Ländern (Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Albanien) war ich zwei Mal – einmal am Weg nach Süden durch das gebirgige Hinterland und einmal am Weg retour über die Magistrale Küstenstraße. Der Schwerpunkt soll hier jedoch nicht auf der Route bzw. chronologischen Reihenfolge liegen, sondern auf den Sehenswürdigkeiten und Highlights in den einzelnen Ländern. Warum ich die Route so gewählt habe und wann die beste Reisezeit ist, liest du in den FAQ.

Mit dem Autoreisezug nach Split – das Abenteuer Balkan beginnt
Nach nicht einmal vier Monaten Fahrpraxis schwang ich mich am Vormittag eines schönen Augusttages auf meine gut bepackte Honda CB 500 XA und schloss die Schnalle meines Helms. Der blaue Pfeil am Navi zeigte 50 Meter gerade aus, dann links abbiegen. Eigentlich war ich nicht nervös, eher voller Vorfreude und Entdeckungslust. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, kann mich selten etwas davon abbringen und so war es auch wie diese Reise zustande kam. Alleine als Frau mit dem Motorrad auf den Balkan – meine Familie hielt mich für verrückt, vermutlich war es das auch. Dennoch fuhr ich an diesem Tag los und es sollte der Beginn einer wunderbaren Reise werden, von der ich euch hier erzähle.
Auf der Autobahn ging es erstmal nach Wien. Der Zustieg mit Fahrzeug ist nur am Startbahnhof möglich, daher fuhr ich dort zum Terminal und hatte noch gut anderthalb Stunden Zeit bis zur Abfahrt. Nach und nach kamen noch ein paar Biker dazu, die meisten gehörten zu einer Gruppe. Nur die Männer fuhren mit dem Motorrad, die Frauen hatten einen PKW als Begleitwagen dabei. Zum Zeitpunkt der Buchung waren leider alle Schlaf- und Liegewagen ausgebucht. Die Strecke Wien – Split ist im Sommer sehr beliebt, man muss hier Monate im Voraus buchen, um noch einen halbwegs adäquaten Schlafplatz zu bekommen. Ich hoffte zumindest ein paar Sitzplätze zu finden, wo ich mich hinlegen konnte. Das Motorrad gut verzurrt, stieg ich in den Passagierwagon. Irgendwann setzte sich der Zug in Bewegung. Die Fahrt sollte 15 Stunden dauern. Allmählig wurde es finster und bei jeder Station stiegen mehr und mehr Leute zu. Schnell kristallisierte sich heraus, dass es wohl nicht genug Platz zum Schlafen geben würde.
Als wir nach 18 Stunden am nächsten Morgen in Split ankamen, hatte ich nicht viel geschlafen. Trotzdem hieß es jetzt das Motorrad auslösen und dann außerhalb von Split zu meiner Unterkunft zu fahren, die ich für die erste Nacht in Kroatien gebucht hatte, bevor ich am nächsten Tag direkt nach Bosnien und Herzegowina wollte. Kaum raus aus dem Bahnhofsareal war fast kein Weiterkommen: Split ist ein Touristen-Hotspot und im August besser zu meiden. Mit viel Geduld schaffte ich es zu meiner Pension am Meer und konnte so den restlichen Nachmittag und Abend bei einem herrlichen Sonnenuntergang genießen und etwas Schlaf nachholen.


Pyramiden und osmanisches Erbe: unterschätztes Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina war für mich eine große Unbekannte. Ich wusste nicht so recht, was ich erwarten sollte. Der Grenzübertritt an der kroatisch-bosnischen Grenze war schnell erledigt. Reisepass, Zulassung und Versicherungskarte gezeigt und schon hatte ich einen Stempel für die Einreise. Auf der anderen Seite begegneten mir kaum Fahrzeuge und bis Mostar war es sehr ruhig, es gab aber auch recht wenig zu sehen auf meiner Strecke. In Mostar angekommen, ging ich erstmal auf Erkundungstour.

Kleiner Stadtrundgang in Mostar
Mostar ist mit ca. 75.000 Einwohnern (begrenzt auf das direkte Stadtgebiet) die sechstgrößte Stadt des Landes. Im 15. Jahrhundert wurde sie von den Osmanen erobert, ihr Einfluss ist heute noch sichtbar, zum Beispiel in Form der Karađozbeg-Moschee mit Koranschule (Medresa) und Reinigungsbrunnen (Šadrvan). Später war Mostar Teil des österreichisch-ungarischen Reiches, dann Teil Jugoslawiens, später Kroatiens und dann Bosniens. Während des Bosnienkrieges in den frühen Neunzigern wurde das Wahrzeichen Mostars, die jahrhundertealte große Steinbrücke Stari most, zerstört. Erst 2004 erfolgte ihre Wiedereröffnung. Im Folgejahr wurde die Altstadt Mostars samt der steinernen Brücke in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Neben einer Vielzahl verschiedener Nationalitäten, insbesondere Bosniaken, Kroaten und Serben, findet man in der Stadt heute vor allem Eines: viele Touristen. Mostar zählt neben Sarajevo zu den am meist besuchten Orten in Bosnien und Herzegowina. Insbesondere in den Sommermonaten wird es eng in den schmalen Gassen und der Stari most. Auch deswegen, weil die Händler ihre Waren gerne draußen vor dem Geschäft anbieten. So wird ein Spaziergang durch Mostar zu einem Spießrutenlauf mit Hindernissen.
Das solltest du in Mostar keinesfalls verpassen:
- Den Brückenspringern bei ihren waghalsigen Stunts zusehen, die sie aus 20 Metern Höhe von der Stari most in den Fluss Neretva vollführen!
- Auf der Souvenirjagd durch die mittelalterlichen Gassen das ein oder andere Kleinod für zuhause entdecken. Die Preise sind verhandelbar!
- Den Blick in die Schlucht bei einem Kaffee oder Essen genießen. Viele Restaurants sind nahe am Abgrund gebaut und bieten einen spektakulären Ausblick auf den Fluss und mit etwas Glück auch auf das Wahrzeichen Mostars.
- Eine andere Perspektive auf die Stadt einnehmen und das beste Foto der Brücke schießen. Hier geht’s zum Standpunkt.
- Auch rund um Mostar gibt es Einiges zu entdecken. Eine Auswahl an Touren findest du zum Beispiel auf Get your Guide.


Die bosnischen Pyramiden – Fakt oder Fiktion?
Jeder kennt die großen Pyramiden in Ägypten, die als eines der sieben Weltwunder der Antike gelten. Aber hast du schon mal von den Pyramiden in Bosnien gehört? Mehrere Hügel in der Nähe des Ortes Visoko sollen in Wahrheit menschengemachte Pyramiden sein, so zumindest lautete die Theorie des Hobbyarchäologen, Bauunternehmers und Esoterikers Semir Osmanagić. Insgesamt fünf Hügel weckten sein Interesse, die er die „Pyramide der Sonne“ (Berg Visočica), „Pyramide des Mondes“ (Hügel Plješevica), „Pyramide des Bosnischen Drachen“ und „Pyramide der Erde“ nannte (Anmerkung: der Name des fünften Hügels ist mir nicht bekannt). Heute werden seine Theorien von fast allen Experten als unwahr abgelehnt.
Ich liebe Archäologie, daher musste ich den bosnischen Pyramiden unbedingt einen Besuch abstatten. Also brach ich am Nachmittag mit großer Neugierde auf in Richtung Mysterium. Obwohl versucht wurde, die Pyramiden touristisch zu vermarkten, ist der Weg dorthin so gut wie nicht beschildert. Ich habe mich daher auf mein Navi verlassen, was sich als Fehler herausstellen sollte. Die Wege wurden immer enger, steiler und unbefestigt. Ich verfuhr mich und stürzte schließlich aufgrund meiner nicht vorhandenen Fahrpraxis auf dem Weg nach unten im tiefen Schotter und Gestein. Bei diesem Gefälle und mit losem Untergrund war es mir unmöglich, das Motorrad eigenständig zu bergen. Wie überall auf meiner Reise sollte mir aber auch hier ein guter Samariter begegnen, der den Sturz gehört hatte und zu Hilfe eilte. Mit flatternden Nerven und ein paar kleineren Schäden am Motorrad kam ich wieder auf festen Boden an. Der zweite Versuch führte mich dann zur „Pyramide der Sonne“.
Hier traf ich nur auf wenige Leute, die meisten davon Einheimische, die sich für ein Picknick eingefunden hatten. Meiner Meinung nach war dieser Ausflug ein Reinfall: für mich waren keine Pyramiden erkennbar, auch die nahegelegene „Pyramide des Mondes“ erforderte einiges an Fantasie, um einen ungefähren Umriss erahnen zu lassen. Was meinst du, blicken wir hier auf das Werk von Menschen aus längst vergangenen Zeiten oder waren es vielleicht sogar Außerirdische, die hier ihre Spuren hinterlassen haben?


Sarajevo: Unterwegs in der umkämpften Stadt
Wie auch Mostar hat die Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas eine bewegte Geschichte. Als ich angekommen war, hatte ich mich gleich einer Stadtführung angeschlossen, um mehr über die Zusammenhänge zu erfahren und einen ersten Eindruck der Stadt zu bekommen. Als Österreicherin ist mir Sarajevo natürlich ein Begriff, denn hier wurden der habsburgische Thronfolger Österreich-Ungarns Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie von dem Attentäter Gavrilo Princip erschossen. Dieses Ereignis löste in Folge den ersten Weltkrieg (1914 – 1918) aus. Den genauen Hergang und die Folgen daraus kannst du hier nachlesen.
In Sarajevo kannst du eben jene Stelle besuchen, wo europäische Geschichte geschrieben wurde. Es gibt eine Replik des Wagens, in dem das königliche Paar erschossen wurde (das Original steht im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien). Diese steht vor dem Sarajevo Museum 1878 – 1918, welches die Geschichte der Stadt und der Region vermittelt sowie auch über das Attentat selbst erzählt. Auf einem Stadtrundgang wirst du hier in jedem Fall vorbeikommen.


Unterwegs in den Gassen und auf den Plätzen der Stadt gibt es viele weitere Relikte der Kriege, die hier stattgefunden haben. Neben den Einschusslöchern an den Hausfassaden werden dir rot eingefärbte Löcher am Boden auffallen – das sind Bombenkrater aus dem Bosnienkrieg. Sarajevo war von 1992 bis 1995 eine belagerte Stadt, nachdem sich Bosnien und Herzegowina von Jugoslawien für unabhängig erklärt hat. Die Versorgung der notleidenden Bevölkerung war nur durch einen einsturzgefährdeten, geheimen Tunnel möglich, der zwischen der Stadt und dem freien bosnischen Hinterland existierte. Meine Tour führte auch dorthin, allerdings ist der Originaltunnel nicht mehr begehbar. Eine Rekonstruktion vermittelt aber ein gutes Gefühl der Beengtheit und man erfährt vieles über die risikoreiche Unternehmung, Lebensmittel und anderes in die Stadt zu schaffen.




Sarajevo hat jedoch nicht nur dunkle Seiten. 1984 fanden hier die Olympischen Winterspiele statt. Man zeigte sich weltoffen, dann kam der Bosnienkrieg. Seit Ende des Krieges gilt Bosnien und Herzegowina als sehr sicheres Land. Man zeigt mit Stolz, wie sich Ost und West sowie unterschiedliche Glaubensrichtungen friedlich vereinen lassen. Das Land gilt noch als Geheimtipp, plane also am besten deine Reise gleich!
Was du keinesfalls bei deinem Besuch in Sarajevo verpassen solltest:
- Schmökern und feilschen auf dem historischen Markt Baščaršija, der bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht.
- Einen Besuch an der Stelle nahe der Lateinerbrücke, wo der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand erschossen wurde.
- Das osmanische Erbe bei einem Besuch der Gazi Husrev-Beg Moschee aus dem 16. Jahrhundert samt Innenhof und Reinigungsbrunnen erleben.
- Einen Besuch des Tunnel of Hope Museums, um über die prekäre Lage der belagerten Stadt während des Bosnienkrieges zu erfahren.
- Den Ausblick über die Stadt bei Sonnenuntergang auf der Gelben Bastion genießen.



Durch die Hintertür nach Montenegro: von orthodoxen Klöstern, Nationalparks und angesagten Küstenorten
Eine kleine, schlecht befestigte Straße führte mich zur montenegrinischen Grenze. Hier fährt kaum jemand lang, am Grenzübergang Šćepan Polje ist kein Mensch zu sehen. Dann tauchte doch noch ein Wärter aus einem kleinen Häuschen neben dem Schranken auf und sah sich kurz meinen Pass an. Nach wenigen Minuten begann mein Abenteuer Montenegro.
Auch wenn es unfair ist, weil nicht vergleichbar, aber Montenegro hat mir insgesamt am besten gefallen. Neben dem praktischen Aspekt, dass man hier den Euro als Währung angenommen hat, obwohl das Land seit 2010 immer noch den Status als Beitrittskandidat hat, ist die Landschaft einfach umwerfend und ein wahres Paradies für Motorradfahrer und Offroader. Montenegro hat aber auch kulturell viel zu bieten: orthodoxe Klöster findet man an jeder Ecke, an den Küstenorten Bar und Budva lässt es sich herrlich entspannen und ausgehen und die Luft im Hafen von Kotor riecht nach Salz und Geschichte.


Meine Reise durch dieses faszinierende Land begannt im Norden des Landes. Dort folgte ich der aufgestauten Piva, deren türkisblaues Wasser tief unten im Canyon schimmertet. Zahlreiche Aussichtspunkte eröffnen sich entlang der Strecke. Die Straße schlängelt sich entlang des Abbruchs und zwängt sich immer wieder durch schmale, unbeleuchtete Tunnel im Fels. Wieder war ich über meine Zusatzscheinwerfer dankbar, die mich diverse Schlaglöcher gut erkennen ließen. Der ständige Wechsel von Hell zu Dunkel und wieder zu Hell ist gewöhnungsbedürftig; die Augen brauchten ein paar Sekunden, um sich anzupassen. Das erste Mal seit Reisebeginn traf ich wieder auf ein paar vereinzelte Motorradfahrer, man grüßte sich. Ich hielt hoch oben an einem Aussichtspunkt und ließ die Szenerie auf mich wirken.

An diesem Abend übernachtete ich bei einem kleinen B & B nahe Plužine. In dieser Region gibt es viele Privatvermieter, die kleinere, selbstgebaute Hütten vermieten. Auch meine Unterkunft für die Nacht war ein dreieckiger Holzverschlag, das Bad befand sich ein paar Schritte entfernt und würde theoretisch mit den Gästen aus den anderen Hütten geteilt, gäbe es denn welche. Ich war der einzige Gast, dementsprechend zuvorkommend wurde ich behandelt. Am nächsten Tag gab es ein reichhaltiges Frühstück, alles aus eigener Produktion. Es hatte knackige 10 Grad plus. Die Hauskatze liebte meine Aufmerksamkeit und wich keinen Zentimeter von meiner Seite. Der Abschied fiel schwer, als ich mich wieder auf den Weg machte, um den Durmitor Nationalpark zu erkunden.



Der Durmitor Nationalpark: ein Mikrokosmos im Herzen Montenegros
Aufgrund des angesagten schlechten Wetters nahm ich mir leider nicht die Zeit, die ich für dieses Naturjuwel gerne gehabt hätte. Daher steht der Durmitor Nationalpark definitiv auf meiner Liste für meinen nächsten Montenegro-Aufenthalt!
Der Durmitor Nationalpark ist ein Hochplateau, welches von Bergen gesäumt ist, viele über 2000 Meter hoch. Entlang der sehr schmalen, oft einspurigen aber immerhin asphaltierten Hauptverbindung durch den Nationalpark bieten sich zahlreiche, atemberaubende Ausblicke auf schroffe Felsen, kleine Gebirgsseen oder verstreute Hütten auf der Hochebene, deren Bewohner durch Viehzucht, Imkerei und dem Gemüseanbau ein Leben als Selbstversorger führen. Ich kann mir gut vorstellen, wie harsch hier die Verhältnisse im Winter sein müssen.

Immer wieder galt es dem Gegenverkehr auszuweichen – man merkt, dass hier der Tourismus eingezogen ist. Noch ist es erträglich und mit dem Motorrad war ich eindeutig im Vorteil, vor allem, wenn mal wieder ein Camper um die nicht einsehbaren Kurven schnitt.
Ein weiteres Highlight erwartete mich: die Taraschlucht mit der berühmten Brücke. Ohne Schnappschuss kam auch ich hier nicht vorbei. Diese spektakuläre Brücke ermöglicht einen Blick aus 170 Metern Höhe hinunter in die Schlucht – ich halte mit meiner Höhenangst lieber Abstand. Auch ihre Länge mit 365 Metern ist beeindruckend und wird erst aus der Ferne deutlich.

Mitten im Urwald im Nationalpark Biogradska Gora
Der zentral gelegene, kleinste Nationalpark Montenegros gleicht einer grünen Oase. Eine unscheinbare Straße zweigt von der Hauptroute bei Kolašin ab, die Abzweigung ist leicht zu verfehlen. Eine Tafel wies mir den Weg zu einem Schranken, hier ist eine kleine Gebühr zu entrichten und schon ging es weiter. Am Ende der Straße befinden sich ein paar Häuser, hauptsächlich touristische Infrastruktur in Form eines Restaurants, der Touristeninfo, Parkverwaltung sowie ein paar Unterkünfte zum Mieten.
Der Parkplatz befindet sich direkt neben dem See „Biogradsko Jezero“, dem größten See hier im Park mit einem Bootssteg samt Leihbooten. Hier startet auch der Rundweg um den See, der teilweise auf Stegen durch den streng geschützten Urwald verläuft. Es gibt auch einen Feldweg der weiter in die Berge führt, dafür braucht man jedoch eine Genehmigung und ein offroad-taugliches Fahrzeug. Auch diese Option steht bereits auf meiner Liste für’s nächste Mal.

Nationalpark Skutarisee: verbindendes Element zweier Länder
Der Skutarisee oder Skadarsee bzw. Shkodrasee (nach der nahegelegenen Stadt Shkodra benannt) ist der größte See der Balkanhalbinsel. Rund zwei Drittel des Sees liegen in Montenegro, während ein Drittel zu Albanien gehört. Rund um dieses Naturidyll könnte man Tage oder sogar Wochen verbringen. Auf meiner Reise war es nur ein Zwischenstopp für eine Nacht, die ich in einer auf Stelzen gebauten Hütte in Virpazar verbrachte.
Am nächsten Tag unternahm ich eine Bootsfahrt auf dem See, inklusive Besuch der „Gefängnisinsel“ – einem kleinen Eiland, auf dem man Straffällige eingesperrt hat. Mit dem Boot gleitet man sanft den Zufluss entlang, bald verbreitert sich der Wasserkanal und man findet sich inmitten eines Teppichs aus Seerosen wieder. Es gibt viele Vögel, Libellen und andere Tiere zu beobachten, die hier im Nationalpark ihre Heimat gefunden haben. Die Weite des Sees wurde mir bewusst, je länger wir auf unser Ziel zuhielten. Was optisch relativ nahe schien, war doch weiter entfernt als gedacht.
Die Bootstour mit Pelikan Boat Rental dauerte gut zwei Stunden. Drei verschiedene Routen werden angeboten. Der Bootsanlegesteg befand sich direkt neben dem Pelikan Restaurant, wenige Meter dahinter meine Unterkunft – eine Holzhütte auf Stelzen mit eigenem Balkon und geschütztem Platz für das Motorrad. Top!


Die Bucht von Kotor: von U-Boot Bunkern, Kircheninseln und einer Stadtfestung
Der „südlichste Fjord Europas“, wie die Bucht gern genannt wird, geizt nicht mit überwältigenden Panoramen, die sich hier an jeder Ecke und aus jeder Höhe dem Betrachter offenbaren. Die schmale, rund 30 Kilometer lange Küstenstraße schlängelt sich an steil herabstürzenden Felsen vorbei und durchquert pittoreske Ortschaften, die wie an einer Perlenkette die Ränder der Bucht säumen. Die bekanntesten davon sind Tivat, Risan, Herceg Novi, Perast und natürlich Kotor. Letzteres hat insbesondere im Sommer dank der Kreuzfahrtschiffe, die hier anlegen, zunehmend mit Touristenmassen zu kämpfen.

Mit eigenem Fahrzeug von Süden kommend, kann Kotor durch den 1,6 Kilometer langen, stickigen und schlecht beleuchteten Vrmac-Tunnel schneller erreicht werden, wenn man nicht um die gesamte Landzunge herumfahren möchte. Es wird eine Mautgebühr erhoben, die sich ständig ändert, daher prüfe bitte vor deiner Fahrt den aktuellen Preis (Unterschiede gibt es auch nach Fahrzeugklasse).
Auf der anderen Seite angekommen, staute ich mich am Hafen entlang ans andere Ende der Stadt. Dort hatte ich etwas außerhalb ein AirBnB gebucht, 15 Minuten fußläufig von der Altstadt und mit Parkmöglichkeit. Ich habe insgesamt 3 Nächte in Kotor verbracht und war vom Charme der Altstadt hinter ihren dicken Festungsmauern verzaubert!
Eingeengt durch das Meer auf der einen und die schroffen Berge auf der anderen Seite präsentiert sich die Altstadt von Kotor außenhin als wehrhaft. Dicke Mauern und gesicherte Stadttore umgeben den Stadtkern, dessen eindrucksvolle Gebäude aus vielen Jahrhunderten stammen. Festungsmauern schmiegen sich an die steile Bergflanke und eröffnen einen atemberaubenden Blick über die Stadt und die Bucht.

Die Illyrer und Römer waren die Ersten, die die vorteilhafte Lage des Ortes erkannten und ihn besiedelten. Viele Völker haben Kotor seither ihren Stempel aufgedrückt – am deutlichsten zu sehen sind heute noch die Festungsanlagen aus byzantinischer Zeit und der venezianische Löwe. Ein schweres Erdbeben zerstörte bzw. beschädigte im 17. Jahrhundert rund die Hälfte der Stadt, weshalb der Hauptteil der häuslichen Baumasse aus der Zeit danach stammt. Die österreichisch-ungarische Präsenz der K. & K. Monarchie wird vor allem im Hafen und Richtung Küste deutlich, war Kotor doch der Standpunkt der kaiserlichen Marine im ersten Weltkrieg. So finden sich hier mehrere geheime U-Boot Werften und Bunker, die heute zum Teil besichtigt werden können.




Um die versteckten Ecken in der Altstadt von Kotor zu entdecken, müssen erst der Wassergraben sowie die Stadtmauern überwunden werden. Hat man dies erstmal geschafft, findet man sich in einem Wirrwarr aus engen Gässchen, Cafés und Souvenirläden sowie kleinen Plätzchen wieder, die den Charm der Stadt ausmachen.
Die Altstadt selbst ist relativ klein und hatte immer wieder mit Überflutung zu kämpfen. Wenn es zu viel regnet, nehmen die kargen Hänge der Berge kein Wasser auf, zusätzlich steigt der Meeresspiegel. An manchen Gebäuden sind Schäden an den Fundamenten zu erkennen. In der Hauptsaison kommt das Problem mit den Kreuzfahrtpassagieren hinzu, die die Gassen fluten. Wenn du einen Besuch planst, komme am besten vor 10 Uhr vormittags oder nach 17 Uhr!


Das solltest du in Kotor auf keinen Fall verpassen:
- Besuch der St. Tryphon Kathedrale, die dem Schutzheiligen von Kotor geweiht ist. Es ist eine kleine Eintrittsgebühr zu entrichten (zum Zeitpunkt meines Besuchs 3 EUR), diese inkludiert den Zutritt zum Museum im oberen Stock der Kathedrale. Vom Balkon aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Platz davor.
- Spaziergang entlang und auf den Festungsmauern, die dir den Blick auf die Stadt und den Hafen ermöglichen. Versteckte Treppenaufgänge führen dich auf die beeindruckende Bastion und das alles kostenlos.
- Das bunte Treiben am Hauptplatz „Trg od Oružja“ beobachten. Unmöglich zu verfehlen erreichst du diesen Platz, wenn du die Stadt durch das Haupttor (Sea Gate) betrittst. Direkt geradeaus befindet sich der Uhrturm mit dem venezianischen Löwen.
- Wer etwas mehr Ruhe sucht, kann die Katzen am „Trg od drva“, einem kleinen Platz nahe der historischen Škurda Brücke, besuchen. Mit Blick auf das Kollegiat der St. Marien Kirche kann man hier auf einer Parkbank die müden Füße entspannen. Zudem gibt es einen Trinkwasserbrunnen und ein paar Schritte weiter eine öffentliche Toilette.
- Die mittelalterliche Škurda Brücke bildet den Nordeingang der Altstadt und bietet zugleich die Möglichkeit, die gewaltigen Stadtmauern von außen zu betrachten. Sie überspannt – wie der Name schon sagt – den Fluss Škurda, der im Lovćen Nationalpark entspringt und nach seiner Reise durch einen spektakulären Canyon in die Bucht von Kotor mündet.

Kotor eignet sich auch perfekt als Ausgangspunkt für Ausflüge in die nähere Umgebung. Hier findest du ein paar Empfehlungen:
- Ausflug in den Lovćen Nationalpark inklusive Besuch des Mausoleums von Petar II Petrovic-Njegosh (spektakulärer Aussichtspunkt) und des Škurda Canyons
- Bootstour zu den Schwesterninseln zur Kirche der Madonna auf den Felsen und dem Kloster des Heiligen Georg
- Bootstour zur Blauen Höhle, der Mamula Insel (frühere Gefängnis-Festung, heute ein Luxushotel) und den historischen U-Boot Bunkern
- Flanieren an der Promenade von Perast (oder eines anderen Ortes in der Bucht) bei einem leckeren Eis
- Mit eigenem Fahrzeug: die Bucht in ihrer vollen Länge befahren und an den besten Aussichtspunkten halten



Mein Fazit zu Montenegro lautet eindeutig: unbedingt hinfahren! Am besten mit dem eigenen Fahrzeug oder eines mieten, denn dann kannst du auch das sehenswerte Hinterland erkunden, wo hohe Berge, tiefe Schluchten und grandiose Nationalparks auf dich warten. So kannst du auch bei einigen der zahlreichen Klöster anhalten, die überall im Land zu finden sind und dir günstige Unterkünfte abseits der Touristenrouten nehmen. Fahre am besten im Frühsommer (Ende Mai bis Ende Juni) oder im Herbst (September bis Oktober), dann stehen die Chancen gut, dass höhergelegene Ziele wie der Durmitor Nationalpark zugänglich sind und weniger Verkehr herrscht. Im Juni und September kannst du an der Küste auch schon bzw. noch baden. Die Haupturlaubsziele Kotor, Bar, Budva und Tivat sind dann auch noch nicht ganz so überlaufen und die Preise günstiger.

Albanien: Überlebenswille und erste Planänderung in einem neuentdeckten Land
Albanien ist ein aufstrebendes Reiseziel und wird gerade nach dem Ende der kommunistischen Ära und dem Öffnen des Landes neu entdeckt. Eine kleine Vorwarnung: der albanische Verkehr ist nichts für schwache Nerven! Rücksichtslose und waghalsige Fahrer, der schlechte Zustand der Straßen sowie allerlei Hindernisse machen einen Roadtrip in Albanien im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Abenteuer. Wer nicht so viel Glück hatte, unbeschadet anzukommen, dem wurde am Wegesrand eine Gedenkstätte errichtet – du wirst bei deiner Albanienreise zahlreiche davon sehen. Dennoch ist das Land absolut sehenswert und mit der nötigen Vorsicht auch problemlos zu bereisen!

Ursprünglich war der Plan die Fähre durch den Koman Stausee zu nehmen, um dann durch eine kleine Ecke des Kosovo nach Skopje in Nordmazedonien zu fahren. Leider hat das Wetter nicht mitgespielt und ich entschied mich daher über Tirana nach Ohrid zu fahren. Diese Entscheidung sollte den restlichen Verlauf meiner Reise gravierend beeinflussen, aber dazu mehr später. Am Rückweg besuchte ich die UNESCO-Welterbestätte Gjirokastra und machte einen kurzen Badestopp am Meer in Durrës. Es gibt noch viele weitere interessante Orte zu entdecken, diese hob ich mir aber für den nächsten Besuch auf.

Tirana: von der Hauptstadt einer kommunistischen Enklave zur hippen Großstadt
Nach dem zweiten Weltkrieg und der Zuwendung zum Kommunismus unter Enver Hoxha isolierte sich Albanien zunehmend selbst. Dies führte in der Folge zur völligen Abschottung nach außen. Aus Angst vor einer Invasion wurden an die 200.000 Bunker über das ganze Land verteilt gebaut, um die Bevölkerung im Ernstfall zu „schützen“.

In Tirana sind diese Bauten sowie weitere Gebäude aus der kommunistischen Zeit und dem osmanischen Reich noch gut zu sehen. Die Stadt, heute westlich zugewandt, erkennt ihr historisches Erbe an. Gleichzeitig hat sie sich in den letzten Jahren, seit der Öffnung des Landes ab 1991, prächtig entwickelt. Heute findet man hier moderne Einkaufszentren genauso wie Hochhäuser und eine lebendige Kulturszene.


Was du in Tirana keinesfalls verpassen solltest:
- Einen Bunkerbesuch! Es gibt zwei Hauptbunker, einen direkt im Zentrum und einen etwas außerhalb. Ich habe den im Zentrum (Bunk’Art 2) besucht. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem eigenen Fahrzeug oder dem Taxi erreichst du aber auch den Hauptbunker (Bunk’Art) an der Stadtgrenze ganz einfach.



- Skanderberg-Platz – das Herz Tiranas erwartet dich unter anderem umgeben vom Kulturpalast, dem Nationalmuseum, dem Uhrtum und der historischen Et’hem-Bey-Moschee. Heute ist der Platz eine Fußgängerzone auf dem auch Veranstaltungen stattfinden. Unter einem Teil des Platzes befindet sich eine Tiefgarage. Fun fact: die Oberfläche des Platzes ist nicht eine gerade Ebene, sondern konvex. Das ist sogar mit bloßem Auge erkennbar! Wer Zweifel hat, kann die Fließrichtung des Wassers der Brunnenfontänen beobachten, das ohne Begrenzung in eine bestimmte Richtung fließt.


- Das Stadtpanorama von einem hohen Gebäude aus bestaunen, zum Beispiel auf dem obersten Stockwerk des Toptani Einkaufszentrums.
- Einen Architekturrundgang unternehmen und die vielen unterschiedlichen Baustile bestaunen. Auch die Tirana Burg, welche von einer dicken Mauer und Toren umgeben ist und heute Shops sowie Restaurants beherbergt, ist einen Besuch wert.
- Ein Besuch der neugestalteten Pyramide von Tirana, die in den späten Achtzigern als Enver-Hoxha-Museum gebaut wurde und heute als Lernzentrum dient, ist ein Muss. Die Aussichtsplattform an der Spitze ist durch Treppen von außen zugänglich.
- Über die kommunistische Geschichte des Landes und der Stadt auf einem geführten Stadtrundgang lernen.


Mein Fazit zu Tirana:
Quasi hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Obwohl man sie wahrscheinlich nicht als Urlaubsdestination auf dem Schirm hat, kann man in dieser Stadt locker drei bis vier Tage verbringen. Sie eignet sich auch für einen Kurzbesuch. Direkte Flüge gibt es günstig zum Beispiel ab Wien mit Ryanair, ab Dortmund mit Wizz Air oder ab Köln mit Eurowings.
Schroffe Gipfel und tiefe Täler: warum ich das albanische Hinterland der bekannteren Küstenstraße vorzog
Die albanische Riviera wird zunehmend als Geheimtipp gehandelt. Vielen Leuten sind Saranda oder Vlores ein Begriff, dabei machen genau die kleineren Ortschaften an der Küste zwischen diesen zwei Städten das Flair aus. Auch die Küstenstraße soll atemberaubend schön sein – aufgrund der Wahl meiner Route durch das Hinterland, habe ich von ihr leider so gut wie nichts gesehen. Nur ein kurzer Badeaufenthalt in Durrës stand am Programm. Für das nächste Mal steht die albanische Riviera samt ihren historischen Stätten wie Butrint auf jeden Fall auf meiner Liste.

Meine Reise führte mich in die UNESCO-Welterbestadt Gjirokastra (gelistet zusammen mit Berat), die älteste Stadt Albaniens, welche bereits seit der Antike besiedelt wurde. Insbesondere die Osmanen, welche Gjirokastra im 15. Jahrhundert eroberten, drückten der Stadt ihren Stempel auf. Heute ist sie für die mit Steinplatten gedeckten Häuser (daher der Beiname „Stadt der Steine„), die kunstvoll gepflasterten, steilen Gassen und die imposante Festungsanlage bekannt. Die ausgedehnte Anlage aus dem 12. – 19. Jahrhundert am Osthang des Mali i Gjerë Gebirges überblickt in strategischer Position den Fluss Drino und die Dropull-Ebene, deren fruchtbare Felder an beiden Seiten von steilen Gebirgshängen begrenzt werden. Besonders beeindruckend fand ich die riesigen Kasematten, die eine Vielzahl an militärischem Equipment beherrbergen. Die rund 500 Meter lange Burg kann eigenständig gegen eine kleine Eintrittsgebühr erkundet werden.
Welterbe im Grenzland: ein Abstecher nach Nordmazedonien
Auf meinem relativ kurzen Besuch in Tirana konnte ich einen ersten Eindruck der Stadt gewinnen, die sicherlich noch viel mehr zu bieten hat. Leider hatte ich mir dort eine Lebensmittelvergiftung eingefangen und ich musste aus meinem AirBnB ausziehen, da dieses bereits wieder gebucht war. So führte dies dazu, dass ich mit leichtem Fieber und Lebensmittelvergiftung den Weg nach Ohrid antrat, wo sich meine nächste Unterkunft in einer Privatpension befand.
Der Nachteil beim Solo-Reisen ist eben, dass man nur sich selbst hat und für sich selbst verantwortlich ist. Das heißt, dass auch im Falle einer Erkrankung trotzdem geplant und durchgezogen werden muss. Ich habe es nach Ohrid geschafft und war dann dort länger als geplant, wobei ich die meiste Zeit krank im Bett verbrachte. Die Vermieterin war so lieb und hat mir eine kräftige Suppe gebracht, die ich nicht mal riechen konnte und schon musste ich wieder zur Toilette rennen. Nach ungefähr drei Tagen ging es mir wieder so gut, dass ich zumindest eine klare Suppe essen und weitere Ausflüge planen konnte. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung durch die Erkrankung musste ich leider den Ausflug nach Skopje knicken und habe nur einen relativ kleinen Teil Nordmazedoniens erkundet, nämlich die Region rund um den Ohrid-See.
Zwischen Fischern, orthodoxen Klöstern und Riviera-Flair: Aufenthalt am Ohrid-See
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Kurzbesuch in Griechenland: die Meteora-Klöster
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Kroatien der Länge nach: auf der Magistrala von Dubrovnik über Makarska nach Split
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Zurück in Richtung Heimat: Plitvicer Seen und Zwischenstopp in Maribor
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Mein Fazit und ganz persönlichen Tipps für deinen Balkan-Roadtrip
Mein Rat an dich – mach es! Egal ob solo oder mit anderen, die Vielfalt des Balkan wird dich begeistern. Diese Solo-Reise war eine der einprägsamsten Reisen meines Lebens und ich würde sie für kein Geld der Welt missen wollen. Natürlich gab es auch schwierige Zeiten, die – insbesondere alleine – echt stressig waren und mich an meine geistigen und körperlichen Grenzen gebracht haben (wir erinnern uns an die Fahrt nach Ohrid mit Lebensmittelvergiftung und Fieber oder den Sturz in Bosnien). Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall!
Zusammengefasst möchte ich dir folgende Tipps mit auf deine Reise geben:
- Sei offen für Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen, Glaubensrichtungen und Denkweisen! Wenn du mit einem Lächeln und einem offenen Herzen auf die Menschen zugehst, wirst du nichts als Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gutmütigkeit erfahren. Du musst auch nicht ihre Sprache sprechen, um mit ihnen zu kommunizieren. Nicht jeder spricht Englisch, aber für mich hat es trotzdem irgendwie immer geklappt.
- Verkürze deine Anreise, indem du Nachtzüge mit Fahrzeugmitnahmemöglichkeit und Fähren nutzt. Ich habe den ÖBB Nachtzug von Wien nach Split genutzt (Achtung: diesen Autoreisezug gibt es aktuell Stand 2025 nicht mehr!). Fahrzeugtransporte sind allerdings nicht mit allen Nachtzügen möglich, prüfe daher vorher die Verbindung. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel auch der ÖBB Nachtzug von Zürich nach Zagreb. Von Deutschland aus gibt es zurzeit nur innerdeutsche Autoreisezüge bzw. von Hamburg oder Düsseldorf aus könnt ihr bis Villach in Kärnten (Österreich) fahren. Ab da müsst ihr auf der Straße weiter. Ihr könnt dann von dort zum Beispiel nach Venedig und die Fähre nach Igoumenitsa oder Patras in Griechenland (Direct Ferries) nehmen. Von Ancona gibt es außerdem eine direkte Verbindung nach Durrës in Albanien.
- Besorge dir eine Navigationsmöglichkeit, die ohne Internet funktioniert. Lade dir Karten herunter oder verwende ein GPS-basiertes System. Ich habe zum Beispiel ein TomTom Navigationsgerät, höre aber auch von den Garmin nur Gutes. Auch Apps wie maps.me (offline) habe ich als Backup verwendet. Als Faustregel gilt: traue niemals der angegebenen Wegzeit! Aufgrund der Straßenverhältnisse oder anderer Umstände (Stau, Fotostopps, etc.) wirst du immer länger brauchen, als du glaubst. Sei entsprechend vorbereitet, das heißt habe immer einen kleinen Vorrat an Essen und Getränken dabei und plane genug Zeit ein, damit du nicht im Dunkeln fahren musst.
- Buche Unterkünfte außerhalb der Touristen-Hotspots. Da du mit deinem eigenen Fahrzeug unterwegs bist, bist du flexibel und deine Chancen auf einen eigenen, gesicherten Parkplatz erhöhen sich. Diese Unterkünfte sind auch meistens günstiger. Insbesondere als Alleinreisender können die Übernachtungen sonst ganz schön ins Geld gehen. Meine Lieblingsunterkünfte waren privat geführte Pensionen mit Frühstück, wo man das lokale Leben hautnah erleben und sich gleichzeitig Tipps von den Einheimischen holen kann.
- Lege dich nicht stur auf eine Route fest – es passiert manchmal etwas Unvorhergesehenes (Grenzen geschlossen, schlechtes Wetter etc.) oder du erhälst unerwartete Tipps, möchtest irgendwo doch länger bleiben… Bleib flexibel und go with the flow!
- Entscheide selbst, ob du eine lokale oder virtuelle SIM-Karte für das jeweilige Land kaufst. Es ist immer gut im Notfall erreichbar zu sein, aber in Ländern wie zum Beispiel Albanien kann dich das ein kleines Vermögen kosten, wenn du deine österreichische oder deutsche SIM-Karte nutzt. Innerhalb der EU ist Roaming kein Problem mehr, aber in den Ländern außerhalb können Internet oder Telefonate zu einem erheblichen Kostenfaktor werden, wenn man nicht aufpasst.
- Cash is king – insbesondere, wenn du dich außerhalb der Touristen-Hotspots aufhälst. Der Euro ist zum Glück schon recht weit verbreitet: Slowenien, Kroatien, Griechenland und sogar Montenegro, obwohl nicht in der EU bzw. EWU, haben den Euro als Währung. In Albanien brauchst du Lek, in Nordmazedonien Denar und in Bosnien und Herzegowina die konvertible Mark. Den aktuellen Kurs verrät dir das Internet oder diverse Umrechnungs-Apps.
Das war’s zu meinem Balkan Roadtrip. Ich hoffe, mein Beitrag hat dir gefallen und du konntest etwas für dich mitnehmen! Wenn du bereits am Balkan warst, was waren deine persönlichen Eindrücke und deine Highlights? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.
FAQ Balkanroadtrip – alles was du wissen musst!
Planst du selbst einen Roadtrip auf den Balkan? Dann findest du nachfolgend alles, was dir die Planung deiner Reise erleichtern kann. Ich habe dir die häufigsten Fragen zum Thema Verkehr, Grenzübergänge, Formalitäten, aber auch zum Thema Sicherheit (nicht nur als Frau) zusammengestellt!
Reisezeit und Reisedauer
Wann sollte ich fahren?
Grundsätzlich hängt die empfohlene Reisezeit von der Art deines Transportmittels und dem ab, was du machen möchtest. Wenn du mit dem Motorrad unterwegs bist oder baden gehen willst, wirst du zu einer anderen Zeit fahren, als wenn du mit dem Camper oder PKW das Hinterland erkundest. Natürlich gibt es regional starke Schwankungen, bedingt nicht zuletzt durch die zwei großen Faktoren der Gebirge im Landesinneren und dem Meer an der Küste. In den Bergen ist es auch im Hochsommer tendenziell kühler – ich habe mich Mitte August auf den Weg gemacht und habe zuerst das Landesinnere erkundet. Dort hatte ich zum Beispiel in der Tara Schlucht morgens 10 Grad plus, während es später an der Küste noch gute Badetemperaturen hatte. Verkehr hatte ich außerhalb der Küste und großen Städte so gut wie keinen.
Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist die Ferienzeit: Vermeide unbedingt die Küste im August! Durch den Urlauberverkehr macht das Fahren keinen Spaß, da du ständig im Stau stehen wirst. Zudem sind die Unterkünfte teurer und gut gebucht, es gibt wenige Parkplätze und es ist auch schwieriger, einen Tisch in einem bestimmten Restaurant zu finden. Ab Oktober wird es an der Küste nasser und windiger, es fahren weniger Fähren und das Wetter wird unbeständig. Meine Empfehlung ist daher, deinen Balkan Roadtrip im Mai und Juni oder im September bis Mitte Oktober einzuplanen. Je nach dem, ob du mehr im Hinterland oder an der Küste unterwegs bist, kann deine beste Reisezeit auch variieren.
Wieviel Zeit sollte ich einplanen?
Das hängt absolut von dem ab, was du tun und sehen willst und wie dein Reisetempo ist. Meiner Meinung nach macht es aber keinen Sinn, unter zweieinhalb bis drei Wochen den weiten Weg auf sich zu nehmen und wirklich auch Zeit für Erkundungen und etwas entspanntere Tage zu haben. In den vier Wochen, die ich unterwegs war, habe ich mir wirklich viel Zeit gelassen. Ich war durchschnittlich drei bis dreieinhalb Stunden pro Tag am Motorrad – manchmal länger, manchmal auch kürzer. Mein Ziel war es stehen zu bleiben, wann und wo ich wollte und mir vieles vor Ort anzusehen. Meine Reiseroute könnte man auch in weniger als 3 Wochen schaffen oder man lässt eben Dinge aus.
Zum Thema Sicherheit
Sicherung des Fahrzeugs
Als ich meine Reisevorbereitungen traf, habe ich mir besonders viele Gedanken über Diebstahl gemacht. Ich hatte ein brandneues Motorrad mit allem möglichen Zubehör und war sehr darauf bedacht, dass mir dieses nicht gestohlen wurde. Ich habe daher ausschließlich Unterkünfte gebucht, wo ich das Motorrad sicher parken konnte (das heißt wenn möglich außerhalb der Sichtweite von Passanten und im Idealfall abgesperrt durch ein Garagentor oder mit Parkwart etc.). Zusätzlich habe ich es mit einer Plane abgedeckt und mit einer schweren Kette sowie einem Bremsscheibenschloss abgesichert. Zusammen mit der Lenkradsperre war es also dreifach gesichert. Zudem habe ich einen GPS-Tracker von PAJ (unbezahlte Werbung) verwendet, den ich unter der Sitzbank versteckt hatte. Durch die App habe ich einen virtuellen Zaun erstellt, wodurch ich eine Meldung bekommen hätte, wenn der Sender die gesetzten Parameter verlässt. Das GPS funktioniert gebäudegenau, also wirklich sehr detailliert. Außerdem habe ich mit diesem GPS-Tracker meine gesamte Reise aufgezeichnet.
Straßenbeschaffenheit und Verkehr
Besonders im Hinterland, wo wenig Verkehr herrscht, sind die Straßen teilweise in mittelmäßigem bis schlechten Zustand. Es gibt viele Schlaglöcher, Sand, Kies oder Schmutz auf der Fahrbahn und keine Bankette oder Leitplanken. Natürlich gilt das nicht für alle Straßen. Auf meiner Route gab es hin und wieder mal unasphaltierte Teilstücke, die aber kein Problem darstellten. Je näher man größeren Städten und touristischen Hotspots kam, desto besser und breiter waren auch die Straßen.
Von den sieben bereisten Ländern auf meinem Balkan Roadtrip hatte Albanien den herausforderndsten Verkehr. Waghalsige Überholmanöver kamen alle paar Minuten vor, es gab generell viel Verkehr in und um Tirana und mich wundert es noch heute, wie ich es auf dem Motorrad überlebt habe. An den Straßenrändern gibt es viele Gedenkstöcke in Form kleiner Kapellen für die Opfer des Straßenverkehrs. Man kann sich ausmalen, wie hoch die Zahl der Verkehrstoten wirklich ist.
Abends unterwegs
Mit dem Motorrad habe ich es vermieden, nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs zu sein. Leider hat das nicht immer funktioniert und ich bin das eine oder andere Mal im Dunkeln gefahren. Hier (und in den unbeleuchteten Tunneln) haben mir meine Zusatzscheinwerfer sehr geholfen. Dennoch empfehle ich es nicht, nach Einbruch der Dunkelheit zu fahren: die Straßen sind teilweise sehr schlecht, es befinden sich unbeleuchtete Fahrzeuge, Menschen, Tiere und Fremdgegenstände auf der Straße und man hat einfach kein gutes Gefühl. Gerade als Motorradfahrer ohne Knautschzone möchte man nicht übersehen werden.
Zu Fuß war ich auch nicht oft im Dunkeln unterwegs, da es im Sommer doch länger hell ist und ich es vorgezogen habe, nicht zu spät ins Bett zu gehen. Dass man insbesondere als Frau alleine (leider) vorsichtig sein sollte, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Ich hatte dennoch keine einzige Situation, wo ich mich unwohl oder unsicher gefühlt hätte.
Lass jemanden wissen, wo du bist
Es ist wichtig, dass irgendjemand weiß, wo du bist. Auch hier hat mir der GPS-Tracker geholfen, da ich den Link mit Personen zuhause teilen konnte und die mir in Echtzeit folgen konnten. Wenn ich mich ohne mein Motorrad bewegt habe, hatte ich immer das Handy dabei und habe mich regelmäßig gemeldet. Es gibt auch diverse Apps, wo man sich am Handy folgen lassen kann, unter anderem auch auf Google Maps.
Auf der Seite deines Außenministeriums kannst du alle aktuellen Informationen zur Sicherheitslage finden und auch deinen Auslandsaufenthalt melden, damit dir im Ernstfall schneller Hilfe geschickt werden kann.
Meine Packliste für 4 Wochen Balkan mit dem Motorrad
Dokumente
- Führerschein (ggf. Auslandsführerschein)
- Zulassungsschein
- Versicherungskarte/ÖAMTC-Schutzbrief
- eCard
- Reisepass
- Versicherungsschein & Registrierung für die Drohne
Elektronik & Technik
- 1 TomTom Navi mit Halterung (selbstladend)
- 1 GoPro Hero 9 mit diversen Halterungen für Helm und Motorrad
- 1 DJI Mini 2 Drohne
- 1 Handy
- 1 PAJ 4G GPS-Tracker
- Div. Apps am Handy (PAJ Trackerportal, DJI Flugkonsole, Google Maps, maps.me, booking.com, AirBnB, Get your Guide, ÖAMTC App…)
- 1 elektrische Pumpe
- 1 Set Zusatzscheinwerfer (zuhause installiert)
- 1 12V Anschluss am Motorrad
Allfälliges
- 2 Aluminium Seitenkoffer von Givi
- 1 Topcase aus Plastik von Givi
- 1 Tanktasche
- 1 40 Liter Drybag
- 1 Drybag für einen der Seitenkoffer
- 1 Reifenreparaturkit
- 1 Pannendreieck (Vorschrift in einigen Ländern)
- 1 Abdeckplane
- 1 schwere Kette mit Schloss
- 1 Bremsscheibenschloss
- 1 Liftstick & Kettenöl
- Kabelbinder, WD40, Duct Tape
- 2 Paar Motorradhandschuhe (dünne und dickere)
- 2 Schlauchtücher
- 1 Nierengurt
- 1 Regenhose & Regenjacke
- 1 leichte Motorradjacke & Hose
- 1 „normale“ Textil-Kombi
- 1 Paar Motorradstiefel
- 1 Helm
Persönliches (sehr individuell):
- Optische Brille & Sonnenbrille
- Medikamente & Hygieneartikel & Sonnenschutz
- Toilette-Tasche
- Unterwäsche, Socken, Leggins, Schlaf-Shirt, Freizeitkleidung, Badebekleidung
- Mikrofaserhandtuch, Hut, Tasche
- Turnschuhe, Flip-Flops, Sandalen










